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Assoziationen beabsichtigt

Starkenburger Echo vom 11.09.2002

K.U.S.S. - Schülerensemble der Martin-Luther-Schule präsentiert "Herr Peter Squenz" als Stück im Stück

Rimbach. Endlich darf bei K.U.S.S. mal wieder gelacht werden! Nach Jahren dunkelster Dramen und schwärzester Charakterstudien gönnte sich das traditionsreiche Schülerensemble der Martin-Luther-Schule (MLS) in dieser Saison zum 19-jährigen Bühnenjubiläum erstmals wieder augenscheinlich leichtere Kost. Zu Ehren der "Frau Kultusministerin" und sehr zum Amüsement des anwesenden Publikums inszenierte Joachim Berndt, Spiritus Rector des "kleinen Hauses", als vorgezogenen "absoluten kulturellen Höhepunkt" des gerade einmal vier Wochen alten Schuljahres in Wiederauflage die "Absurda Comica" oder "Herr Peter Squenz" aus der Feder des deutschen Barockdichters Andreas Gryphius als Stück im Stück einer fiktiven Schulkonferenz an einem ländlichen Gymnasium, das Assoziationen zu tatsächlich existierenden Lehranstalten seiner Art garantiert beabsichtigte.

K.U.S.S. wäre nicht K.U.S.S., wäre da nicht im Hinterhalt stets der Bogen gespannt, permanent abschussbereit und mit nadelspitzen Pfeilen bissigster Ironie bestückt, gerichtet nicht nur auf das Hinterteil des liebeskranken Pyramus, sondern zielgenau auch auf die Lachmuskulatur der Zuschauer, die sich als scheinbar unbeteiligte Außerschulische auf der sicheren Seite wähnten, dabei dennoch - quasi in der ersten Reihe sitzend - ihr Fett abbekamen und sich dann noch köstlich amüsierten. Wie einst die Wallküren im gleichnamigen Opus von Richard Wagner betrat David Wegener in seiner Rolle als diktatorischer Rektor des Finkengymnasiums zu Finkenbach das Schlachtfeld diskutierfreudiger Pädagogenprofilierung. In diesem fiktiven Plenum wurde offenkundig, was aufmerksame Eltern längst geahnt hatten - die Schule ist ein Kindergarten.

Ausgehend vom "TAZ" lesenden Birkenstockträger bis hin zur braunen Vergangenheitsverherrlichung fand jeder, der nach Klischees suchte, garantiert die passende Schublade - eine herrliche Parodie auf die garantiert nicht ganz an den Haaren herbeigezogene Wirklichkeit schulischen Alltags. Wohl dem, der da über sich selber lachen konnte.

Anders als der Protagonist der Rahmenhandlung scheint Joachim Berndt bei der Suche des geeigneten Schauspieler-"Materials" keine Probleme zu haben. Trotz vieler neuer Gesichter in den K.U.S.S.-Reihen präsentierte sich das Ensemble in gewohnter Weise homogen. Einfühlsam vermied es die Regie, einzelne Darsteller szenisch in den Vordergrund zu stellen. Selbst die Titelrolle des Peter Squenz, dargestellt von David Wegener, heischte nicht nach herausragenden Lorbeeren, sondern fügte sich kollegial in das Gesamtgefüge einer sichtlich hoch motivierten Darstellergruppe ein.

Da stellte sich im wahrsten Sinne der Löwe (Antonia Baum) ins Zeichen des Mondes (Anne Vollrath); da ergoss sich der Brunnen (Marilena Zeiss) in Wort und Tat über die Mauer (Anne Kruse); da thronte der Hofstaat (Martin Frassine, Michael Bitsch, Melanie Mayer, Lydia Rettig, Katharina Winkler und Tara Farsad) nicht unbedingt königlich, und bei all dem Irren und Wirren dieser "Dramödie" unterlag Pyramus (Jan Elflein) letztendlich im Tod der liebreizenden Thisbe (Moritz Gorath).

Normalerweise lacht ja der, der zuletzt lacht, bekanntlich am besten, doch diplomatisch verhalten wirkte am Samstag die Retourkutsche von Schulleiter Hans-Jürgen Schmidt, der als "Epilogissimus" quasi das letzte Wort hatte, dabei aber trotz augenscheinlicher Betroffenheit nicht an Lob für sein engagiertes Ensemble sparte. Offen bleiben soll an dieser Stelle noch, was es im K.U.S.S.-Jubiläumsprogramm nun mit den "zehn Säuen" auf sich hat, von denen die Vorankündigung spricht.

250 Euro der Gesamteinnahmen lässt K.U.S.S. der Flutopferhilfe zugute kommmen.

kako