K.U.S.S.-Forum

K.U.S.S. auf Facebook

K.U.S.S. auf Twitter




Unschuldige gibt es nicht

Starkenburger Echo vom 19.09.2006

Kultur: Inszenierung zum Thema Mobbing an Schulen Mutige Auffhrung der Rimbacher MLS-Theatergruppe K.U.S.S.

RIMBACH. Mit dem Stck "Johannas Fest" hat die Rimbacher Schultheatergruppe K.U.S.S. viel Wind aufgewirbelt. Das Thema ist genauso brisant wie heikel: Mobbing an Schulen. Groen Aufruhr gab es bereits im Vorfeld. berall klebten Plakate mit dem Titel "Johanna K. ist schwanger". Da gab es Beschwerden. Doch Schulleiter Hans-Jrgen Schmidt und der Urheber des Stcks, Joachim Berndt, hatten vorab recherchiert: Diesen Namen gibt es nicht an der Martin-Luther-Schule (MLS).

Aufs Glatteis hat sich die Truppe dennoch gewagt. Bei der ersten Vorfhrung am Freitagabend sorgte die Thematik fr Gesprchsstoff. "Jeder kann zum Mobber werden. Ein bisschen Klatsch hier, dort ein bisschen die Gerchtekche anfeuern. Es fngt harmlos an." Ulrike Krumb ist Vertrauenslehrerin an der MLS und freut sich ber die Gesprche und Kommentare, die in der Pause zu hren waren: "Das Thema ist wichtig und gut. Ich finde es toll, dass Mobbing an Schulen auf diese Art und Weise thematisiert wird und die Besucher dafr sensibilisiert werden."

Die Art und Weise der Umsetzung war beeindruckend und erschreckend ehrlich. Von den kleinen Sticheleien bis hin zum groen Terror wurde alles gezeigt. Johanna, gespielt von Akina Ingold, musste einiges einstecken, weil sie als Neue an der Schule die Regeln nicht kennt. Sie kannte Mobbing schon an ihrer alten Schule. Die Lehrer sehen die Schlerin als Problemfall, weil das Mdchen die Schule wechselt, nachdem sie einen Selbstmordversuch unternommen hat. In der neuen Schule fhren die Hauptrolle bei der Theaterauffhrung, gute Leistungen in Mathe und beim Debattierwettbewerb zur Missgunst der anderen Schler. Die Mdels um Nicole und Elaine, gespielt von Charlotte Khn und Lena Kruse, sind nicht gut zu sprechen auf die Neue Zickenkrieg bricht aus.

Auch Daniel und Dominik finden: "Die braucht 'nen Dmpfer." Schnell ist eine Wette ausgetftelt. Michi, der Weiberheld des Jahrgangs, soll sie flachlegen und dann fallen lassen. Lehrer Spalt, der Mchte-Gern-Kumpeltyp, konnte Johannas Probleme nicht fr sich behalten und ermglicht damit die neuen Intrigen. Anonyme Anrufe, Gerchte ber eine Schwangerschaft, eine Bestellung beim Pizzadienst auf ihren Namen das alles war noch harmlos. Die Aktionen der Schler werden hrter, es muss zur Eskalation kommen.

Michi gewinnt seine Wette nur mit Gewalt, Johanna bricht erneut zusammen. Das Ende vom Lied ist Johannas Fest: Dabei zeigt sie den anderen, wie das ist, wenn man attackiert wird. Die groe Rache lsst die Mitschler vor Angst wimmern. Letztlich wollen sie Michis Leben opfern, doch Johanna bricht ihre Racheaktion ab.

Doch von Happy End kann nicht die Rede sein. Die Schuldigen kommen zwar mit dem Leben davon, aber sie haben Johannas auf dem Gewissen. Sie beschliet: "Es wird Zeit fr mich zu gehen."

Alle Darsteller darunter vier Ehemalige haben ihre Rollen toll gemeistert. Ob Auenseiter oder Anfhrer alle waren berzeugend. Berndt, Lehrer an der MLS, Verfasser des Stcks und Regisseur, hat die Inszenierung mit Filmsequenzen und Musik aufgelockert. Gelungen war auch das Bhnenbild mit Styroporkltzen im Hintergrund, auf die die Bilder projiziert wurden. Gleichzeitig dienten sie als Sthle und Tische. Mit viel Situationskomik hat Berndt das schwierige Thema aufgefrischt. Aber wirklich befreit hat zum Ende wohl keiner das "Kleine Haus" in der MLS verlassen. Zu realistisch war die Geschichte. Auch wer sich raushlt und nichts tut, macht sich schuldig. Und Unschuldige gibt es nicht dies war die starke Botschaft. Wenn diese bei allen Besuchern der ausverkauften Vorstellungen ankommt, hat die Truppe gute Arbeit geleistet.

Die MLS will es nicht nur bei Worten belassen, schon bald soll es eine extra Abteilung fr Mobbingflle geben. Auch wenn es an der MLS nicht so schlimm zugeht, wie die Schlerin Isabel Eberle betonte, und Berndt den Odenwald als Himmelreich sieht, so gibt es auch hier Flle von Mobbing wie berall eben.

Marion Krner

Quelle: www.echo-online.de/suedhessen/template_detail.php3?id=399234