K.U.S.S.-Forum

K.U.S.S. auf Facebook

K.U.S.S. auf Twitter




Anstreicher und polygame Wachsfiguren

Odenwlder Zeitung vom 17.09.2008

Schultheater: MLS-Theatergruppe K.U.S.S. legt mit zwei Stcken Dario Fos einmal mehr auergewhnliches Talent an den Tag

Rimbach. Er sitzt da und regt sich nicht, ganz so als sei er zu einer Salzsule erstarrt. Sein Blick glotzt mit weit aufgerissenen Augen durch die Brille mit etwas altertmlichem Gestell in Richtung Publikum. Kein Blinzeln, nicht mal die geringste Bewegung. Giorgio sieht aus wie eine Puppe, eine Wachsfigur - und genau dies soll er, wie sich im weiteren Verlauf des Stckes herausstellt - auch sein.

Giorgio ist der ber lange Zeit regungslose Protagonist der Farce "Anstreicher sind vergesslich" von Literaturnobelpreistrger Dario Fo. Die Kabarett- und Theatergruppe K.U.S.S. der Rimbacher Martin-Luther-Schule hatte sich gleich zwei Stcken des italienischen Multitalents angenommen. Neben "Anstreicher sind vergesslich" wurden bei den vier Vorstellungen jeweils am jeweils zweiten Teil der Abende zustzlich die quirlige Komdie "Bezahlt wird nicht" auf die Bhne gebracht.

K.U.S.S. hatte sich vorgenommen, sich wieder ganz dem Lachen zuzuwenden. Und dazu gab es bereits beim ersten Stck reichlich Anlass. Dies ist auch nicht mehr als folgerichtig, wenn zwei Anstreicher denken, sie htten aus Unachtsamkeit einem Menschen das Leben genommen, sich die Leiche aber schlielich als Wachsfigur herausstellt, die allerdings nur durch gewisse regelmige Injektionen ruhiggestellt wurde. Kein Wachs, sondern Fleisch und Blut, allerdings eben im Stand-By-Modus.

Und dies alles nur aus dem reinen Egoismus, denn Giorgios Ehefrau, die vermeintliche Witwe, wollte ihren polygam ausgerichteten Gatten nicht mit den anderen Frauen teilen, die sie einst selbst auf relativ unkonventionelle Art ins Haus holte: Sie kaufte ein Bordell. Um ihre Eifersucht und ihre eigenen Ansprche zu befriedigen, griff sie eben zum skrupellosen Mittel und verabreichte ihrem Gatten die Spritzen mit nachhaltiger Wirkung.

Schon mit diesem grotesken Kaleidoskop der Bhnenkunst hatte sich K.U.S.S. schnell die Lacher gesichert. Nach der Pause sollten die Lachmuskeln noch ein bisschen mehr beansprucht werden.

Manch ein Besucher mag sich beim Verfolgen des Geschehens an seinen letzten Einkauf erinnert haben. Gestiegene Lebensmittelpreise sind es nmlich, die den Ausgangspunkt der Komdie "Bezahlt wird nicht" bilden. Die Mailnder Hausfrauen haben es nmlich satt, in den Geschften immer mehr zahlen zu mssen. Also drcken sie ihren Protest auf ganz simple Weise aus, indem sie die Waren einfach mitnehmen ohne zu zahlen.

Antonia, die Frau des berzeugten Sozialisten Giovanni, der jedoch ebenso fest wie in der Marxschen Lehre in den Gesetzen verwurzelt ist, ist in vorderer Front dabei, als die Damen die Lden leer rumen. Jetzt geht es aber darum, dass sie dies vor ihrem Gatten mglichst geheim hlt. Kein leichtes Unterfangen, das letztlich sogar drei anscheinend schwangere Frauen - neben Antonia noch Margherita und Claudia - hinterlsst, deren sich jedoch Babybauch flugs als mit Lebensmittel ausgestopfte Kleidung erweist. Richtig schrg wird es, wenn dann praktisch die "Niederkunft" einhergeht mit dem Platzen eines Olivenbeutels. Und dies alles nur, um das Diebesgut besser vor der Polizei verbergen zu knnen.

Als ob dies aber nicht schon kompliziert genug wre, kommt zustzlich noch eine geistig etwas verspult erscheinende Bestattungsunternehmerin hinzu, die die Situation ebenso noch vertrackter macht wie Giovannis recht seniler Vater, eine Mischung aus Klischeetattergreis und Weihnachtsmann. Wenn dann noch die Polizei keine einheitliche Linie vertritt und in der einen Person extrem staatstreu, in der anderen Person geradezu kommunistisch-umstrzlerisch daher kommt, dann ist das Chaos perfekt - und dem ausgiebigen Lachen steht nichts mehr im Wege.

Fr den Transport des ungeheuren humoristischen Potenzials der Stcke, die manchmal bei all ihrer skurrilen Machart jedoch des fteren zum Nachdenken Anlass geben, waren letztlich jedoch die Schler verantwortlich, die zum Teil ganz auerordentliches schauspielerisches Talent an den Tag legten. Es wurde einmal mehr deutlich, dass K.U.S.S. mit ihrem Regisseur Joachim Berndt nicht umsonst einen hervorragenden Ruf im Bereich des Schultheaters geniet. Schon die Stcke sind auergewhnlich, die Darstellung nicht minder. gie

Quelle: www.wnoz.de/index.php?&kat=53&artikel=108857553&red=27&ausgabe=46174