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Tannd

Odenwlder Zeitung vom 05.09.2011

RIMBACH. Das Bild ist allgegenwrtig. Schon auf der Eintrittskarte ist die Schattengestalt zu sehen, die eine Hacke bedrohlich ber den Kopf gehoben hat und ganz offenkundig dabei ist, mit voller Wucht zuzuschlagen. Geradezu leitmotivisch erscheint es in den Filmsequenzen immer wieder, die geschickt und passend in das Geschehen auf der Bhne eingebaut sind. Und im bewegten Bild wird es deutlich: Hier schlgt eine Person voller Wucht, geradezu dem Wahnsinn verfallen zu. Ein Bild, das Grausamkeit und bestialische Brutalitt transportiert, das einen fassungslos dasitzen lsst. Das Entsetzen lhmt den Saal, ehe schlielich die Besucher nachdenklich, aber von dem Schauspiel begeistert nach drauen treten. All dies ist K.U.S.S., der Kabarett- und Theatergruppe der Rimbacher Martin-Luther-Schule, bei der Auffhrung der Bhnenfassung von "Tannd" gelungen.

Der Debtroman der Kriminalautorin Andrea Maria ist angelehnt an eine tatschliche Begebenheit aus dem Jahr 1922. Sie verlegt das Geschehen allerdings in die Nachkriegsjahre.

Auf einem einsamen Bauernhof in Bayern werden sechs Menschen auf brutale Art und Weise mit einer Spitzhacke erschlagen: der Bauer Danner, dessen Frau, dessen Tochter, deren zwei Kinder sowie die Magd, die erst am Tag des Verbrechens ihre Anstellung auf dem Danner-Hof begann. Die Bewohner von Tannd geben einen Einblick in das Leben auf dem Hof, doch mit ihren isolierten Zeugenaussagen gleichenden Erzhlungen ber den eigenwilligen Danner-Bauer und dessen Familie geben sie fr diejenigen, die ein wenig zwischen den Zeilen lesen knnen, auch jede Menge ber sich preis - und was da zu erfahren ist, ist fr sie selbst wenig schmeichelhaft.

Es stellt sich heraus, dass es sich beim erschlagenen Danner um einen herrschschtigen Tyrannen gehandelt hat. Schlge, sexuelle bergriffe auf die Frau, die Mgde und die eigene Tochter Barbara gehrten dazu. Selbst Marianne und Josef, Barbaras Kinder, sind wohl von ihrem eigenen Grovater gezeugt worden.

K.U.S.S. hat mit der Auffhrung von "Tannd" einen markanten Kontrastpunkt gesetzt. Standen in den letzten Jahren eher heitere Stcke im Vordergrund, erfuhr das Publikum diesmal ein Stck voller Eisesklte und Beklemmung. Doch gerade dies ist wahrscheinlich die grte Herausforderung. Eine Komdie mit vielen Lachern verzeiht hufig auch vorhandene darstellerische Unzulnglichkeiten. Bei einem Stck, in dem das lhmende Entsetzen im Vordergrund steht, in dem eine vllig kranke Gesellschaft gezeichnet und in dem nicht zuletzt deren Demaskierung vollzogen wird, fallen Fehler besonders auf. Zu erkennen waren keine. K.U.S.S. ist es gelungen, mit "Tannd" einen weiteren Meilenstein in der Historie der Theatergruppe zu setzen. Wer sich dieses Stck ansieht, der wird entsetzt sein. Und genau so muss das sein.

gie

Quelle: www.wnoz.de/index.php?&kat=111&artikel=109842587&red=27&ausgabe=