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Was fasziniert den Menschen an Schreckensbildern?

Odenwlder Zeitung vom 22.09.2003

Die MLS-Theatergruppe K.U.S.S. geht beim "Robert-Kreuzer-Projekt" nicht nur dieser Frage nach / Perfekte Inszenierung

(La.) Mglichst viel Abwechslung zu suchen, neue "theatralische Wege" zu erschlieen, die dramaturgische Vielfalt zu nutzen, wie dies im Rahmen des "Kleinen Hauses" in der Martin-Luther-Schule in Rimbach mglich ist, diesem Grundprinzip fhlte sich die Theatergruppe K.U.S.S. auch diesmal verpflichtet.
Mit der 24. Produktion in ihrem 20-jhrigen Bestehen hat sich K.U.S.S. unter seinem Regisseur und Gesamtleiter Joachim Berndt an ein brisantes Thema herangewagt. Hervorzuheben sind insbesondere die schauspielerischen Leistungen der Akteure und der spannungsgeladene Aufbau des Stckes.

Am 26. April 2003 jhrte sich der Amoklauf an einem Erfurter Gymnasium, bei dem 16 Menschen erschossen (wurden) und sich der Tter selbst gerichtet hatte. Nach Ansicht von Psychologen sind es oftmals Krnkungen die zu einer solchen Tat fhren knnen. Die Frage, wie konnte es soweit kommen, beschftigte viele und die Medien widmeten der furchtbaren Tat breiten Raum in ihrer Berichterstattung, manche nicht ohne Sensationsgier.

Gestehen wir es uns doch ein. Wer liest am Morgen nicht zuerst die Schreckensnachrichten, um entsetzt anschlieend mit einem wohligen Schauer herzhaft ins Brtchen zu beien. Warum lieben wir Krimis, Horrorfilme und Computerspiele, bei denen das Moorhuhnschieen die harmloseste Variante ist? Die Medien machen sich dies natrlich zunutze, denn es zhlen Auflagen und Einschaltquoten.

Das "Robert-Kreuzer-Projekt" prangert diese Sensationsgier von Medienvertretern und Brgern an. Robert, die Hauptfigur des Stckes schreit es heraus: "Wenn der Asphalt irgendwo brennt, wenn die Trme einstrzen und die Menschen fliegen, dann bin ich live dabei, aber ich hab's lngst irgendwo gesehen." Die Flut audiovisueller Reize, wie sie tagtglich auf den Fernsehzuschauer aus allen Kanlen auf uns einstrmt, verdeutlichen die Videosequenzen an beiden Seiten der Bhne. Gewalt in all ihren Formen hat einen hohen Anteil an der Berichterstattung, nicht zuletzt weil dies die Massen vor die Fernseher bringt.

Im Blickfeld der Kritik des Stckes steht eine junge, karrierebewusste Reporterin, die zufllig die Chance bekommt, ber einen Doppelmord in einer Kleinstadt zu berichten. In einem Mietshaus hat der Sohn seine beiden Eltern scheinbar auf brutale Weise hingerichtet. Die Suggestivfragen der Reporterin an die Adresse mglicher Zeugen, zeichnen das Bild einer "Bestie".

Der Zuschauer darf derweil hinter die Kulissen blicken. Ein bislang weitgehend unaufflliger, aber unbequemer Achtzehnjhriger, der einzig durch fehlende Leistungen hervorsticht, wird durch Beschluss des Lehrerkollegiums von der Schule verwiesen. Bei seinen Mitschlern findet Robert Kreuzer, hervorragend von Jan Elflein gespielt, aufgrund seiner Verschlossenheit auch keinen Rckhalt. berdies sind die meisten angepasst und haben sich lngst mit dem System arrangiert.

Nur mit Johanna kann er ber sich reden, obgleich sie seine Weltsicht kaum versteht, geschweige denn teilt. Er ist ein zorniger junger Mann, der an dem, wie die Welt ist, wirklich leidet. Zuhause erwarten Robert nur Streitigkeiten zwischen dem stets betrunkenen Vater und der znkischen Mutter. Scheinbar vllig unvermittelt beginnt er einen Amoklauf, bei dem er (...) Mitschlerinnen und Mitschler sowie seine Lehrerin in Geiselhaft nimmt.

Das Stck thematisiert neben der Sensationsgier der Medien die zunehmende jugendliche Gewalt und stellt dieser die ebenfalls stetig steigende soziale Klte gegenber, wie sie beispielsweise in der Person der Tutorin verkrpert wird.

(...)

In den drei Stunden reiner Spieldauer berblenden sich permanent Bilder, Filme, Videosequenzen, Musik- und Toneinspielungen, was technisch perfekt beherrscht wird. Hinzu kommt der dauernde Schauplatzwechsel, der nur durch eine straffe Koordination mglich wird. Mit ber 50 Mitwirkenden eine grandiose Leistung und eine der wohl aufwendigsten Produktionen im "Kleinen Haus".

(...)