K.U.S.S.-Forum

K.U.S.S. auf Facebook

K.U.S.S. auf Twitter




Aufstieg und Fall des "Knig Ubu"

Starkenburger Echo vom 20.09.2004

Theater: K.U.S.S.-Ensemble der Martin-Luther-Schule glnzt mit ungewhnlicher Inszenierung einer Vorlage von Jarry

RIMBACH. Wer ist eigentlich Knig Ubu? Diese Frage stellte sich bereits zu Anfang des Theaterstckes von K.U.S.S., denn ein Knig war weder zu sehen, noch zu hren. Ein eher ungehobeltes Gromaul, gegen den Himmel stinkend und laut "Scheitze" schreiend stand dagegen auf der Bhne des kleinen Hauses der Martin-Luther-Schule. K.U.S.S. hatte am Wochenende zu "Knig Ubu" von Alfred Jarry eingeladen.

Zunchst ist Knig Ubu lediglich Vater Ubu, der mit seiner Frau, seiner Tochter und seinem verbldeten, beziehungsweise behinderten, Sohn in einer Htte lebt. Seine Frau, Mutter Ubu, ist mit ihren Leben jedoch nicht zufrieden. Sie will die Macht und sie kriegt die Macht, indem sie ihren Mann, der ganz und gar nicht einem Gttergatten entspricht und keinerlei Manieren an den Tag legt, zum Staatsstreich berredet. Dieser schafft es nur mit Hilfe des Hauptmanns Tatzensaum die Knigsfamilie festzunehmen und bestialisch umzubringen.

Dabei kommt seine groe Feigheit, die er immer als Heldentum verkleiden mchte, besonders gut zur Geltung. Mit kratziger Stimme, die sich besonders in kritischen Momenten fast berschlug, verkrperte Jan Elflein meisterhaft die Rolle des Knig Ubu. Dieser lsst lieber die anderen arbeiten. Bei den Morden bestimmt er zwar, wen es treffen soll, legt aber nicht selbst Hand an. Bei dem Gemetzel der Knigsfamilie bleibt nur der blutjunge Bubelas, der Knigssohn, brig, der natrlich Rache schwrt. In einer Begegnung mit den "drei Schatten" berreichen diese ihm ein berdimensionales Schwert, das ihm bei seinem Kampf gegen Vater Ubu behilflich sein soll.

Zustzlich entwickelt sich noch ein Streit mit Tatzensaum, der sich anscheinend mit bermenschlicher Kraft aus einer misslichen Situation er baumelt, an den Fen gefesselt von der Decke befreit, und verbndet sich nun mit der russischen "Ksarin", obwohl er ihre Familie ausgelscht hat.

Die Absurditt des Stckes wird nicht nur an dieser Stelle ersichtlich. Bei der Flucht vor den Gegnern verliert Mutter Ubu, die ursprnglich ihre Kinder umbringen lassen wollte, die beiden Sprsslinge an eine Brin, die sich von nun an um sie kmmert. Die Brin wird schlielich jedoch dummerweise zum Opfer von Vater Ubu und seinen Soldaten. Als die Familie sich wiederfindet, hat die Tochter auf einmal ebenfalls Brenohren.

Offenbar wollte Jarry damit den brgerlichen Stand angreifen, was ihm auch vortrefflich gelang. Allen geht es ausschlielich um die "Pfuinanzen", den eigenen Aufstieg in den nchsten Stand, und sie lassen sich dabei von ihrer Raffgier und Dummheit leiten. Es wird aber auch deutlich, dass niemand seine eigene Herkunft verleugnen kann. Aus Vater und Mutter Ubu kann nicht pltzlich ein Knigspaar werden, dies scheitert schon alleine am sprachlichen Unterschied zu Knig Wenzeslas, der sehr um seinen Ausdruck bemht ist. Auch sind die Ubus im Vergleich zur Knigsfamilie ausgesprochen hsslich.

Am Ende bleibt jeder das, was er ist. Der gesellschaftliche Aufstieg scheitert, genauso wie alle Bereicherungsversuche.

Das Stck lebt von seinem provozierenden Inhalt, seiner Komik und Absurditt. Dabei hatten die Schauspieler Groes zu leisten. Neben stndigen Umbauten die wegen der hufigen Szenenwechsel notwendig waren (...) mussten die Schauspieler immer wieder ihre Rollen und Kostme wechseln. Die groe Freude der Schauspieler an diesem auergewhnlichen Stck war ihnen dennoch anzumerken und bertrug sich auf das Publikum, das sich mit lang anhaltendem Applaus bedankte.

Laute Lacher in den Szenen verdeutlichten, dass die Komik des Stckes auch beim Publikum ankam. Dabei bediente sich K.U.S.S. auch zunehmend moderner Technik: Schauspiel wird kombiniert mit Filmausschnitten aus der Geschichte und eigenen Produktionen, wobei verschiedener Mittel eingesetzt wurden. Sicherlich war diese Form der Inszenierung eine gute Idee von Joachim Berndt und seinen jungen Schauspielern, die aber noch ausbaufhig wre.

Der Ausflug in viele unterschiedliche Genres sorgte (...) immer wieder fr berraschungen Fingerpuppen wurden genauso eingesetzt wie Schwarz-Wei-Produktionen im Stummfilmformat, Auszge aus Militrdokumentationen gingen gruseligen Momenten, hnlich wie im Film "Blair Witch Project" voraus (...).

Andererseits ermglichte diese Vorgehensweise jedoch die Integration von Szenenbildern, die auf der Bhne nur schwer darstellbar sind. Insgesamt wurde "Knig Ubu" interessant interpretiert, und so dem gewhnlichen Schauspiel ein neues Gesicht gegeben.

Sarah Brenz

Quelle: www.echo-online.de/suedhessen/detail.php3?id=259843